Die Gemäldesammlung

Von Camille Corot und Eugène Boudin ausgehend, reicht die Sammlung über Edgar Degas, Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Camille Pissarro und Alfred Sisley zu Paul Cézanne und Paul Gauguin.

Dazu kommen einzelne Werke von Gustave Courbet, Henri Fantin-Latour, Odilon Redon, Pierre Bonnard und der Amerikanerin Mary Cassatt, die in Frankreich wirkte. Zwei Räume sind ganz dem 18. Jahrhundert gewidmet; der eine ausschliesslich einer Serie von 13 venezianischen Veduten, während der andere Werke französischer und schweizerischer Meister präsentiert, darunter Jean-Honoré Fragonard sowie Bilder aus dem Umkreis von Antoine Watteau und des Zürcher Idyllenmalers Salomon Gessner.

 

Einige Glanzstücke aus der Sammlung kurz vorgestellt

 

 

 
Paul Cézanne
Bäume und Felsen im Park des Château Noir (Arbres et rochers dans le parc du Château Noir), um 1904
Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm

Kraftvoll und rhythmisch breitet Cézanne in diesem Bild einen mit den Farben der provenzalischen Landschaft in Ockergelb, Rotbraun, Grün und Blau gewirkten Bildteppich aus, der pflanzliche und kristalline Formen evoziert. Das felsige Gelände mit Bäumen bot dem Künstler ein faszinierendes Farben- und Formenrepertoire, in dem emporstrebende Baumstämme mit mächtigen Felsbrocken kontrastieren. Das Motiv fand Cézanne in dem östlich von Aix-en-Provence gelegenen Anwesen des spätromantischen Château Noir, das mit seiner Umgebung zu den beliebtesten Ansichten im Spätwerk des Malers zählt. Die Farbstruktur und die Reduktion auf die wesentlichen Grundformen verleihen diesem meisterhaften Werk seine eindrucksvolle Monumentalität.

 

 
Claude Monet
Eisschollen im Dämmerlicht (Les glaçons, effet de crépuscule), 1893
60 x 99,7 cm

Ein dramatisches Naturereignis ist hier dargestellt: das Treiben der Eisschollen auf der Seine, nachdem der im schneidenden Frost des Winters 1892/93 zugefrorene Fluss wieder aufgebrochen war. In der Abenddämmerung gemalt, sind Himmel und Wasser in ein kühles, fahlgelbes Licht getaucht; die verschneite Hügelkette schimmert, den Komplementärgesetzen gemäss, in zarten Lila- und Violetttönen, die kahlen Büsche auf den Flussinseln glühen in Rostrot. Der Blick schweift von Port-Villez über die Seine in Richtung Giverny, wo Monet seit 1890 wohnte. Unter den zwölf Bildern, auf denen Monet das Naturschauspiel jenes Winters festhielt, reduzierte er die Formen in der Fassung des Museums Langmatt am stärksten. 1889 hatte Monet serielle Bearbeitungen desselben Motivs in verschiedenen Naturstimmungen aufgenommen.

 

 
Camille Pissarro
Kastanienbäume in Louveciennes, Frühling (Châtaigniers à Louveciennes, printemps), 1870
Öl auf Leinwand, 59,5 x 73 cm

Frühling an einem beschaulichen Ort, dem Park von Louveciennes, unweit des Wohnhauses des Malers gelegen. Pissarro beschäftigte sich zu dieser Zeit mit der Wirkung des Sonnenlichts und malte daher immer häufiger im Freien. Seine Erfahrungen prägten die Entwicklung des Impressionismus entscheidend mit. In diesem frühimpressionistischen Bild gelingt es ihm, die frische Atmosphäre eines hellen Vorfrühlingstages durch eine wirkungsvolle Komposition, die neue Hellmalerei und die Anwendung der Komplementärkontraste der Primärfarben einzufangen. Ferner trägt der skizzenhaft freie Malstil zum Zauber dieses besonders gelungenen Frühwerks der neuen Kunstrichtung bei.

 

 
Pierre-Auguste Renoir
Der Zopf (La natte), um 1886-87
Öl auf Leinwand, 57 x 47 cm

Renoir liess das Modell Suzanne Valadon - sie sollte später selbst eine begabte Malerin werden - als Bauernmädchen posieren, als "Italienerin". Dieses beliebte Motiv hatten auch Corot und Bouguereau in vielen Bildern dargestellt. Exakte Konturen heben den üppigen Körper der jungen Frau hervor, der in altmeisterlich anmutender Technik fast skulptural modelliert ist und mit dem in diagonalen Pinselstrichen gemalten vegetabilen Hintergrund kontrastiert. Dieses bekannte Gemälde zeigt charakteristische Merkmale von Renoirs "période ingresque", den Jahren nach 1883, als er die Mittel des Impressionismus ausgeschöpft zu haben meinte und sich nach einer Italienreise auf zeichnerische Virtuosität und akademische Malweise zurückbesann.

 

 
Paul Cézanne
Früchte und Ingwertopf (Fruits et pot de gingembre), um 1890/93 (?)
Öl auf Leinwand, 33 x 46,5 cm

Ein einfacher Holztisch mit Schublade, ein Ingwertopf, ein blau gerandeter Teller, ein weisses Tischtuch und einige Früchte, im Atelier sorgfältig arrangiert: Bescheidene Gegenstände wie diese dienten Cézanne als Vorgabe zu farblich und formal subtil angelegten Kompositionen, die er oftmals in Aquarellstudien vorbereitete. Dieses Stillleben zeigt bekannte Utensilien, mit denen Cézanne in seiner mittleren und späten Schaffenszeit immer wieder arbeitete. Nahezu abstrakt wirkende, nicht genau bestimmbare Bildelemente tragen zu jener Ruhe und Ausgewogenheit der Komposition bei, die uns als "klassisch" gilt.

 

 
Pierre-Auguste Renoir
Das Boot (La barque), um 1878
Öl auf Leinwand, 54,5 x 65,5 cm

Durch ein Dickicht erblickt man auf einem Gewässer ein am Ufer liegendes Boot, in dessen Bug eine weiss gekleidete weibliche Gestalt sitzt; der leere Platz ihr gegenüber am Ruder suggeriert die Nähe einer zweiten Person, vermutlich eines Galans. Der Szene eignet jene Qualität, von der Renoir sagte: "die einfachsten Motive sind die unsterblichen". Das Geschehen könnte an einem der sonntäglichen Ausflugsorte am Ufer der Seine unweit von Paris spielen, etwa der Ile de Chatou, wo Renoir und seine Malerfreunde viele Motive fanden. Ihren farbsprühenden Zauber verdankt die von Sonne und Licht durchflutete Idylle dem meisterhaften Umgang Renoirs mit der impressionistischen Maltechnik, die er Ende der 1870er Jahre erreicht hatte.

 

 
Paul Cézanne
Badende (Baigneuses), um 1895/96
Öl auf Leinwand, 28,5 x 51 cm

Unter sich zeltartig wölbenden Bäumen sind zwei Gruppen nackter weiblicher Figuren in zeitlos arkadischem Zustand mit der sie umgebenden Natur in einem Spiel von Licht und Farben verwoben. Seit Mitte der 1890er Jahre setzte sich Cézanne in zahlreichen Varianten mit dem Motiv der Badenden auseinander, das ihn schon in seiner Frühzeit beschäftigt hatte. Ihre Vollendung fanden die "Badenden" in drei monumentalen Kompositionen (heute im Philadelphia Museum of Art, der Barnes Foundation in Merion/Pennsylvania und der National Gallery in London). Die Version im Museum Langmatt nimmt insofern eine prominente Stellung ein, als es sich um eine der beiden Kompositionsentwürfe handelt, die die Grandes Baigneuses der Barnes Foundation vorbereiten.

 

 


letzte Änderung: 22.02.2011 09:56 (von Administrator)