Nachkommen und Stiftung
Alle drei Söhne von Sidney und Jenny Brown schlossen ihr Jura-Studium mit dem Doktorat ab. Der weitere Weg wurde ihnen von den Eltern freigestellt. Es zeigte sich, dass keiner der Söhne die technische Begabung ihrer Vorfahren geerbt hatte; ihre Interessen lagen vielmehr auf humanitärem und künstlerischem Gebiet.
Dr. Sidney Hamlet (1898-1970) promovierte nach Studien in Genf, Zürich und Paris 1925 in Bern bei Professor W. Burckhardt[1]und war zunächst 1929 als Sekretär des Präsidenten des Internationalen Roten Kreuzes, Professor Max Huber, in Genf tätig. Als Delegierter des Internationalen Roten Kreuzes wirkte er in verschiedenen heiklen Missionen im Ausland, so in der von Japanern belagerten Stadt Shanghai, in Vorbereitung der Internationalen Rotkreuzkonferenz in Tokio, als Beobachter bei den verfolgten Christen im Irak und auf zwei Weltreisen, die ihn an verschiedene neuralgische Punkte führten. Seine Aufgabe in Äthiopien während des italienisch-äthiopischen Krieges 1935/1936 beschrieb der Kosmopolit sogar auf engagierte Weise in einem Buch[2]. Für seine Verdienste gegenüber der äthiopischen Bevölkerung und Armee verlieh ihm Kaiser Haile Selassie 1937 den Orden eines "Commandeur de l'Orde de la SS. Trinité". Seine ausserordentlichen Sprach-, Geschichts- und politischen Kenntnisse prädestinierten Sidney H. Brown dazu, als diplomatischer Repräsentant für die Firma BBC zu wirken, in deren Rechtsdienst er 1940 eintrat und als deren Generalsekretär er 1948 bis 1965 wirkte. Beim Staatsbesuch von Kaiser Haile Selassie in der Schweiz 1954, während dem der Monarch auch die BBC-Anlagen in Baden besichtigte, da er die Elektrifizierung seines Landes vorwärts zu treiben gedachte, nahm Sidney W. Brown eine wichtige Stellung ein. Zusammen mit seiner 1941 verwitweten Mutter bewohnte der älteste der drei Söhne die Langmatt.
Dr. Harry Frank Brown (1905-1972) absolvierte sein Studium in Genf und Zürich, wo er 1933 bei Professor F. Fleiner promovierte[3]. Danach bildete er sich in Paris, wo er zeitlebens ansässig war, zum Komponisten aus. Er stand in freundschaftlichem Kontakt zu prominenten Musikern wie Clara Haskilund Dinu Lipati, förderte aber auch diskret Talente wie das Pariser Ensemble Ars Rediviva oder den jungen, inzwischen international berühmten Harfinisten David Watkins. Er war es auch der die musikalische Tradition der „Langmatt“ begründete. Seine Musikerfreunde konzertierten oftmals für ein geladenes Publikum in der „Langmatt“. Der befreundete Lenzburger Komponist und Maler Peter Mieg hielt einen solchen Konzertabend in der Bildergalerie in einem stimmungsvollen Aquarell festund beschriebHarry Brown unter anderem mit den Worten: "Er übte ein stilles, äusserst zurückhaltendes Mäzenatentum aus, wie es denn einer seiner hervortretendsten Züge war, im Hintergrund zu bleiben. Dennoch freute es ihn, wenn seine Stücke konzertmässig oder am Radio gegeben wurden. [4]
Dr. John Alfred Brown (1900-1987) schloss sein Studium 1928 in Bern bei Professor F. Schwab mit einer juristischen Dissertation ab, die schon die Richtung seiner späteren Interessen anzeigte.[5]Er wurde der „Kunsthistoriker“ in der Familie. Wie sein Bruder in Paris lebend, war er seit 1934 im Rang eines „Attaché“ (eines ständigen Mitarbeiters) im Musée du Louvre tätig. Gelegentlich zog ihn der alte Familienfreund und Wahlpariser Carl Montag, der den Aufbau der Impressionisten-Sammlung so tatkräftig unterstützt hatte, als Mitarbeiter zu seinen Ausstellungsprojekten in Frankreich und der Schweiz bei.[6]Nach dem Ableben seiner Mutter ehelichte John A. Brown 1969 in Paris seine langjährige Lebensgefährtin Andrée Marthe Müller, eine gebürtige Schweizerin, mit der er nach dem Tod seines Bruders Harry 1972 die „Langmatt“ bezog. Nach einem Schlaganfall 1971 halbseitig gelähmt, verbrachte er seine letzten fünfzehn Lebensjahre in der elterlichen Villa, nach dem Hinschied seiner Gattin 1976 umsorgt von seinem Verwalter und Vertrauten Paul M. Germann. Diesem gelang es schliesslich, den letzten der drei kinderlos gebliebenen Nachkommen des Sammlerehepaares von der Idee einer Stiftung zu überzeugen, die nach John A. Browns Ableben errichtet wurde und seinen ganzen Besitz umfasste. So wurde John A. Brown der Gründer der Stiftung, welche er in Andenken an seine Eltern „Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown“ benannte.
[1]Sidney H. Brown, Der neutrale Charakter von Schiff und Ladung im Prisenrecht, Zürich 1926.
[2]Sidney H. Brown, Für das Rote Kreuz in Äthiopien, Zürich/New York 1939.
[3]Harry F. Brown, Das Prinzip der Trennung der Gewalten in der Rechtsprechung des Schweizerischen Bundesgerichts, Luzern 1933.
[4]Ansprache anlässlich der Abdankung von Harry Brown, Oktober 1972 (Manuskript im Archiv des Museums Langmatt).
[5]John A. Brown, Das Zinngiesserhandwerk in der Schweiz, Solothurn 1930.
[6]Carl Montag, Maler und Kunstvermittler (1880-1956), [Ausstellungskatalog] Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown, (Kleine Schriften, Heft 2), Baden 1992.
