Hans Brühlmann (1878-1911), Bilder und Zeichnungen
Sonntag 17 Mai bis Sonntag 12. Juli
Kurzes Leben, beeindruckendes Werk
Am 29. September 1911 nimmt sich Hans Brühlmann mit einer Kugel das Leben; er ist erst 33 Jahre alt. Zwei Jahre unsäglichen Leidens liegen hinter ihm, verursacht von einer damals noch unheilbaren Krankheit, der Syphilis, die viele bedeutende Köpfe in den Wahnsinn und den Tod trieb. Der unerwartete Verlust eines so hochbegabten jungen Malers, den viele für eine der grossen Hoffnungen der modernen Kunst halten, erschüttert die Kunstwelt; Gedenkausstellungen finden nicht nur in Zürich und Basel, sondern auch in Hagen, Köln, München und Berlin statt. Dann wird es still um diesen Künstler, und sein Werk gerät mehr und mehr in Vergessenheit.

,Abbildung: Selbstbildnis mit heller Mütze, 1908-09 Öl auf Karton Privatbesitz
Wer war Hans Brühlmann? Geboren 1878 in Amriswil im Thurgau als Sohn eines Pfarrers und einer Fabrikantentochter, geht er auf Rat seines ersten künstlerischen Mentors, des Landschafters Hermann Gattiker, 1899 nach Stuttgart, um dort die Königliche Kunstschule, die spätere Akademie, zu besuchen. Mit anderen Hochbegabten wie Karl Hofer und Hermann Haller, mit denen er sich anfreundet, zählt er bald zur Elite dieser renommierten Ausbildungsstätte. Der charismatische Adolf Hölzel, der die Abschlussklasse leitet, soll ihn gar wie keinen anderen Schüler geschätzt haben. Eine Reise nach Italien 1906 lässt Brühlmann die Malerei von Giotto und Frau Angelico entdecken; ein längerer Aufenthalt 1908 in Paris öffnet ihm die Augen für die Moderne, insbesondere für Puvis de Chavannes und Cézanne. Zwei Aufträge für monumentale Wandbilder in Pfullingen und Stuttgart, die ihm 1907/08 sein Lehrer Hölzel vermittelt, bringen ihm erste Lorbeeren ein. Erste Einzelausstellungen 1909 in Winterthur und Stuttgart rufen dagegen noch mehrheitlich Missfallen hervor.
Ende 1909 bricht die verhängnisvolle venerische Krankheit aus, die sich Brühlmann sechs Jahre zuvor zugezogen hat; er fällt in geistige Umnachtung und muss Monate lang hospitalisiert werden. Dennoch beginnt er schon bald wieder zu malen und zu zeichnen, allerdings mit der linken Hand, da die rechte gelähmt ist. Stil und Motivwelt unterscheiden sich nun so stark von seinem früheren Schaffen, dass man hinter diesen Bildern fast eine andere Künstlerpersönlichkeit vermuten könnte. Im Sommer 1910 ist Brühlmann so weit wiederhergestellt, dass er mit seiner Frau Nina ein paar Wochen in Vättis im Taminatal verbringen kann. Hier zeichnet er mit Bleistift eine Vielzahl expressiver Landschaften, die wahre Meisterleistungen der modernen Zeichenkunst sind. Den Auftrag, für das neue Zürcher Kunsthaus drei Wandbilder zu malen –gleich schräg gegenüber von Hodlersmonumentaler Mehrfigurenkomposition -, muss er dagegen seiner geschwächten Gesundheit wegen ablehnen, desgleichen die ehrenvolle Berufung als Professor an die Düsseldorfer Kunstschule. Den Sommer 1911 will er erneut in Vättis verbringen; ein schwerer Krankheitsrückfall zwingt ihn jedoch, vorzeitig nach Stuttgart zurückzukehren, wo er sich in seiner Verzweiflung das Leben nimmt.
„Der einzige Weg, vorwärts zu kommen, ist der Weg nach innen“, schrieb Brühlmann einmal; er könne sich nie denken, „etwas anderes zu tun als das, wozu die innereNotwendigkeit mich treibt“. So beherzigenswert dieser Vorsatz ist, er zwingt den Künstler auch, seinen Weg ganz alleine zu gehen, ohne den Rückhalt einer Gruppe und ohne sich durch das Schaffen anderer bestätigt zu fühlen. Einflüsse von aussen lassen sich zwar auch bei Brühlmann feststellen, zumal in der Frühzeit; im Grunde aber war und blieb er ein Einzelgänger, dessen Werk kunsthistorisch schwer zu fassen ist. Am wohlsten fühlte er sich bezeichnenderweise in der freien Natur, vor allem in den Bergen, und so wurde denn die Landschaft zu seinem bevorzugten Bildthema. Brühlmann war aber auch ein vorzüglicher Stillebenmaler und ein äusserst einfühlsamer Porträtist.

