SOMMERAUSSTELLUNG 2014

Salon distingué — Hausrat in guter Gesellschaft

Zeitgenössische Kunst im Dialog mit dem Interieur der Langmatt

Gastkuratorin Nadia Schneider Willen

Vernissage, Samstag, 3. Mai 2014, 17 Uhr

4. Mai bis 30. November 2014

GERARD BYRNE, NATALIE CZECH, ELMGREEN & DRAGSET, DIANGO HERNÁNDEZ, MARKUS MÜLLER, MARKUS SCHINWALD, KATHRIN SONNTAG, MONIKA SOSNOWSKA, NELE STECHER, ERIK STEINBRECHER, LENA MARIA THÜRING, ERIKA VERZUTTI, HAEGUE YANG


Diango Hernández

Diango Hernández, Dining at Eight, 2009 (Ausschnitt)


Hausrat — Möbel, Teppiche, Vorhänge, Dekorationsobjekte — kurz, die Einrichtungsgegenstände, mit denen wir unsere privaten Lebensräume gestalten, sind Materialisierungen unserer persönlichen Geschichte. Hausrat wird geerbt oder gekauft, besteht aus der Zusammenführung von Gegenständen aus unserer Vergangenheit und Gegenwart. Objekte aus unserer familiären Vorgeschichte gehören ebenso dazu wie Dinge, die uns heute nützlich, gut oder schön erscheinen und widerspiegeln, wie wir uns sehen oder von Anderen gesehen werden wollen: Hausrat dient nicht zuletzt der Konstruktion von Identität und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Das Museum Langmatt reflektiert als ehemalige Industriellenvilla des frühen 20. Jahrhunderts auch heute noch die Bedürfnisse, Wertvorstellungen und geschmacklichen Präferenzen einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht, zu deren Selbstverständnis es gehörte, Kunstwerke und wertvolle Kulturgüter zu erwerben, um damit leben. Die Ausstellung Salon distingué — Hausrat in guter Gesellschaft nimmt den häuslichen Charakter des Museums Langmatt als Ausgangspunkt, um zu erkunden, wie im grossbürgerlichen Interieur Hausrat zu Kunst und Kunst zu Hausrat werden kann.

Geht man davon aus, dass sich das Kunstwerk nicht zuletzt über seine Ausstellbarkeit, Hausrat aber über seine Funktionalität definieren lässt, so muss man feststellen, dass sich in der Langmatt die Grenze zwischen den beiden Kategorien aufzulösen beginnt. Auch wenn die kultivierten Hausherren ihr ideales Heim nur mit den erlesensten Antiquitäten einrichteten, dienten diese dem täglichen Gebrauch. Ist es heute immer noch erlaubt, sich in der musealen Institution auf den einen oder anderen Stuhl zu setzen, so täuscht dies nicht über die Tatsache hinweg, dass der Hausrat hier nicht mehr gebraucht, sondern inszeniert und ausgestellt wird und somit den Status eines kulturellen Gutes oder gar eines Kunstwerkes erlangt. Dagegen dienten die Gemälde, die aus heutiger Perspektive auch in noch so häuslicher Umgebung als Kunst verstanden werden, zu Zeiten der Browns ebenso der Repräsentation und der ästhetischen und kulturellen Erbauung wie der dekorativen Ausstattung des Hauses. Mit der Kunst wurde gelebt, als wäre sie — zugegebenermassen — schöner Hausrat!


Katrin Sonntag

Kathrin Sonntag, Blame it on Morandi, 2011


Für die Dauer der Ausstellung Salon distingué — Hausrat in guter Gesellschaft trifft der Besucher im grossbürgerlichen Interieur auch auf zeitgenössische Kunstwerke. Sie fügen sich spielerisch subversiv ins Inventar ein, interferieren mit dem bestehenden Hausrat und verändern unsere Wahrnehmung des an sich schon komplexen historischen Settings. Eine Gruppe von international renommierten wie auch noch zu entdeckenden KünstlerInnen aus der Schweiz und dem Ausland fragen mit ihren Skulpturen, Objekten, Installationen und Fotografien beispielsweise nach der ideologischen Bedeutung hinter bestimmten Gestaltungsformen, befragen Dinge nach ihrem künstlerischen oder gesellschaftlichen Status oder interpretieren Gegenstände als Projektionsflächen menschlicher Befindlichkeiten. Andere, vorwiegend mit Video oder mit Gegenüberstellungen von Text und Bild arbeitende KünstlerInnen, setzen sich mit gesellschaftlichen Regelsystemen auseinander, die mit dem bürgerlichen Lebensstil einhergehen, oder lassen für einmal andere Familiengeschichten in die sonst so brownsch geprägte Langmatt einfliessen.

Salon distingué — Hausrat in guter Gesellschaft konstatiert, was auf einem Rundgang durch das Haus latent spürbar ist: Mehr noch als ein Museum ist die Langmatt heute Projektionsfläche und Bühne — allerdings ohne Schauspieler, welche das Setting zum Leben erwecken würden. Die Ausstellung macht deutlich, wer heute die wahren Protagonisten im Haus sind, nämlich der Hausrat und die Kunst — und die haben nicht wenig zu erzählen!